Nicht nur grüne Plaketten bereiten E-Auto-Fahrern Sorgen – noch häufiger ist es vermutlich die 12-Volt-Batterie. Ein Blick in die ADAC-Pannenstatistik für fünf Jahre alte Fahrzeuge zeigt: Auch bei Elektroautos ist die Starterbatterie und damit meist der Ausfall des 12-Volt-Bordnetzes der Pannengrund Nummer 1.
Auszug aus der ADAC-Pannenstatistik
Wozu ein E-Auto eine 12-Volt-Batterie braucht
Der Name Starterbatterie kommt vom Verbrenner: Dort muss die 12-Volt-Versorgung den Anlasser drehen, bis der Motor anspringt. Außerdem versorgt sie alle Nebenverbraucher – Steuerung, Fensterheber, Türschlösser, Displays, Sitzheizung und im E-Auto natürlich auch das Batteriemanagementsystem und das Zuschalten des Hochvoltsystems beim Fahrzeugstart. Meist kommen Blei-Säure-Batterien zum Einsatz.
Eigentlich hat es ein Elektroauto technisch leichter: Die Batterie muss keinen leistungsstarken Anlasser drehen, und das Auto kann sie auch ohne Motorstart nachladen und so das System langfristig stabil halten.
Die zwei häufigsten Ursachen
- Manche Hersteller haben – vereinfacht gesagt – ein aggressives Nachladeverhalten programmiert, das die Batterie im Betrieb stresst.
- Die Kunst besteht darin, das 12-Volt-System auch bei Nichtnutzung des Fahrzeugs zu überwachen und bei Bedarf eigenständig nachzuladen, damit das Auto beim Neustart zuverlässig funktioniert.
Nachholbedarf haben hier oft Marken aus China und Korea – das Thema kann einem auch die Statistik ordentlich vermiesen. Ein Beispiel ist der Hyundai IONIQ 5: Beim Jahrgang 2022 gab es im Kalenderjahr 2024 eine massive Pannenhäufung, also schon im zweiten Jahr.
Pannen pro 1.000 Fahrzeuge, Mittelklasse (Quelle: ADAC)
Abhilfe: AGM-Batterie
Eine mögliche Abhilfe sind sogenannte AGM-Batterien. Der Batteriefinder von Varta schlägt für das genannte Modell ebenfalls eine AGM-Batterie vor – mit dem Hinweis „Fahrzeuge mit Start-Stopp-Technik und Elektrofahrzeuge mit höherem Energiebedarf“. Höherer Energiebedarf ist dabei eher die freundliche Umschreibung dafür, dass der Hersteller das Thema nicht so gut im Griff hat.
Auch Stefan Möller war privat mit seinem Kia EV6 nach zwei Jahren von einem Ausfall betroffen. Er konnte das Auto ohne Pannenhelfer wiederbeleben und ist auf eine AGM-Batterie umgestiegen.
Die AGM-Batterie im Kia EV6 von Stefan Möller
Nachbesserungen bei der Steuerung gab es in der Vergangenheit auch bei anderen Herstellern über sogenannte Serviceaktionen im Fahrzeugbestand. Grundsätzlich kann man Elektroautos beim Thema 12 Volt eine stetige Verbesserung zuschreiben.
Tesla und Leapmotor gehen weiter
Einen Schritt weiter ist Tesla, sowohl bei der Software als auch bei der Hardware: Seit 2021 wird teilweise eine 16-Volt-Lithium-Ionen-Batterie verbaut, in jüngeren Modellen gibt es LFP-Batterien mit 12,8 Volt Nennspannung. Letztere halten vermutlich ein Autoleben lang.
Quelle: Tesla.com
Den nächsten Schritt will Leapmotor gehen, Kooperationspartner von Stellantis: Der Hersteller will herkömmliche 12-Volt-Batterien aus neuen Modellen verbannen. Wörtlich ist die Rede von einer „um das Siebenfache gesteigerten Niederspannungsfunktion, wodurch keine separate Niederspannungsbatterie (12 Volt) mehr erforderlich ist“. Hoch- und Niederspannungsbatterie sollen dieselben Zellen und Module verwenden und sich Wärmemanagement und Energieverteilung teilen. Die Technik soll ab 2027 in der nächsten Fahrzeuggeneration kommen und auf die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs ausgelegt sein.