Tesla Autopilot vor Gericht, Nissan, BMW und VW – nextnews #113

Die nextnews #113 drehen sich heute um mehrere neue Fahrzeuge am Markt bzw. Weltpremieren. Und: es geht um Tesla und eine ungemütliche Gerichtsentscheidung. Tesla wurde eine Werbeaussage verboten, obwohl das Unternehmen traditionell gar keine Anzeigen schaltet… Tesla-Autopilot vor Gericht - im Namen des Volkes - nextnews 113

Urteil des Landgerichts München: Autobahn statt Autopilot?

Das Landgericht München 1 hat Tesla verboten, mit dem Begriff Autopilot für seine Fahrzeuge bzw. deren Funktionen zu werben. Man könnte einwenden: Tesla macht doch gar keine Werbung? Doch, argumentieren die Richter, auch die eigene Webseite ist Werbung.

Konkret untersagt hat das Gericht in seinem Urteil Aussagen wie “volles Potenzial für autonomes Fahren”, “Autopilot: inklusive” oder “Bis Ende des Jahres: Autonomes Fahren innerorts.” Die Aussagen seien für die Verbraucher aus mehreren Gründen irreführend: Weil die Autos technisch nicht fahrerlos fahren können und sie es rechtlich noch nicht dürften.

Das Gericht hat damit der Klage des Vereins Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs stattgegeben. Pikant an der Sache: Der Kläger, die Wettbewerbszentrale, hat angegeben, dass ich öffentliche Stellen sowie Beteiligte aus Forschung Autoindustrie über die Werbeaussagen beschwert hätten.

Zur Ehrenrettung dieser Tesla-Marktbegleiter muss man sagen, dass die Klage sich doch etwas hinzog: Tesla hatte im Juli 2019 auf seiner Webseite noch von Ampel- und Stoppschilder-Erkennung mit Anhalte- und Anfahrautomatik geschrieben – und deren Verfügbarkeit bis Ende 2019 angekündigt. Seitdem wurden Teile der Versprechen zurückgenommen – jetzt steht dort, dass autonomes Fahren “in naher Zukunft” möglich werden solle.

Tesla hat nun einen Monat Zeit, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Es ist davon auszugehen, dass das Unternehmen das Urteil nicht akzeptieren wird. So würde man Zeit gewinnen, um den Autopilot mit seinen Funktionen fertig zu entwickeln. Möglicher Lösungsweg für den Übergang: Umbenennung in “Kein-Autopilot”…

BMW iX3 startet in Deutschland

Diese Woche hat BMW Daten zu Preisen und Ausstattung zum iX3 bekanntgegeben. Das Elektroauto wird in China gebaut und zunächst an chinesische Kunden ausgeliefert. Offenbar kann das Auto ab sofort bestellt werden. Auf der Bafa-Liste der förderfähigen Fahrzeuge steht der BMW aber noch nicht, wird aber sehr wahrscheinlich mit 5000 Euro gefördert.

Der Einstiegspreis liegt bei 69.800 Euro inkl. 19 Prozent Mehrwertsteuer, denn ob dieses Jahr noch Autos in Deutschland ausgeliefert werden, ist noch nicht bekannt. Die wichtigsten Daten des BMW iX3 im Überblick:

  • Akku 80 kWh (nutzbar: 74 kWh)
  • Reichweite bis zu 460 Kilometern im WLTP-Zyklus
  • Maximale Ladeleistung: 150 Kilowatt 
  • In 34 Minuten auf 80 Prozent aufladen
  • In 6,8 Sekunden geht es auf 100 km/h
  • bei 180km/h wird abgeriegelt.
  • Die optionale Anhängerkupplung erlaubt 750kg Zuglast.

Ebenfalls neu am Markt: Nissan Ariya löst Leaf ab

Neben dem BMW iX3 gibt es auch eine Neuvorstellung von Nissan: Der Ariya ist ein Crossover, mit dem der Autobauer den europäischen Markt angreifen will. Vom ehemals weltweit meistverkauften E-Auto der Welt war der Nissan Leaf zuletzt zum Ladenhüter geworden. Der Leaf ist in die Jahre gekommen und rangiert trotz massiver Preissenkung im laufenden Jahr gerade mal auf Platz 11 in Deutschland.

Mit dem Ariya kommt der große technische Rundumschlag und alle Schwachpunkte des Leaf werden abgeräumt. Angekündigt sind 5 Varianten mit Akkus von 63 und 87 kWh nutzbarer Kapazität. Beide Akkus gibt es in Kombination mit einem Frontantrieb oder als Allrad mit Reichweiten von 340 bis 500 km nach WLTP.

Zusätzlich kommt noch eine Performance-Variante die in 5 Sekunden auf 100 km/h sprintet. Geladen werden kann dann endlich am in Europa gängigen CCS-Standard mit bis zu 130 Kilowatt Leistung. Der Akku ist endlich flüssigkeitsgekühlt. Normales AC-Laden funktioniert mit 22kW Leistung für die große Batterie bzw. 7kW beim kleinen Akku.

Die Allrad-Varianten bieten optional eine Anhängerkupplung bis 1500 Kilogramm Zuglast. Vorbestellungen sollen ab Anfang 2021 möglich sein, Marktstart dann im Herbst. Zuletzt war über einen Rückzug von Nissan aus Europa spekuliert worden – mit dem Ariya setzt Nissan aus unserer Sicht die Zeichen auf Angriff statt Rückzug. Die Preise werden aber noch bekanntgegeben.

Weitere Elektroauto-News der Woche:

  • Ab kommenden Montag kann der ID.3 verbindlich für alle bestellt werden. Alle Infos hierzu gibt es im unten verlinkten Video “nextnews #113”.
  • Zulassungszahlen in Deutschland: Im Juni wurden 8119 Elektroautos in Deutschland zugelassen. Ein sattes Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Mai.
    Elektroautos haben nun 3,7 Prozent Marktanteil. Die Welle rollt langsam aber sicher an…

nextnews 113 Themenübersicht:

00:00 Intro

00:36 Zulassungszahlen in Deutschland

02:01 Polestar 2 im Test

03:47 BMW iX3 startet in Deutschland

05:17 Nissan gibt nicht auf

07:06 ID3 Verkaufsstart für alle

10:12 Tesla News mit Gigafactory 4

12:34 Urteil gegen Tesla Autopilot

15:32 Prototypenschau

16:33 Neues vom E-Auto-Markt, Faktencheck & Kauftipps

19:05 Software-Bug Hyundai Kona & Kia e-Niro

20:09 neues von nextmove

23:10 ARD: Der nächste wird ein Elektro – wirklich?