ID.3-Verkaufsstart gelingt, Tesla als Starthelfer und mehr Elektroauto-News – nextnews #115

Die nextnews kennen kein Sommerloch: Die Folge #115 ist vollgepackt mit Informationen rund um Tesla, den Polestar 2 und den VW ID.3 einen Monat vor der Auslieferung.

nextnews #115 Teaser mit Tesla, Volkswagen und Polestar 2

Gute Nachfrage: ID.3-Verkaufsstart gelingt

Ende August sollen bei den VW-Händlern die Vorführwagen eintreffen. Offizielle Markteinführungsveranstaltungen sollen ab dem 21. September stattfinden. Erste Probefahrten starten ab dem 11. September. Möglichst am selben Tag wollen wir auch bei nextmove mit den ersten ID.3 in der Flotte starten, die Verteilung auf die Standorte wird dann natürlich noch etwas dauern.

Die aktuelle Zeitplan zeigt: VW hat aufs Tempo gedrückt und die bisherigen Zeitpläne noch etwas vorgezogen. An den Logistik-Standorten der vorproduzierten 1ST Edition Fahrzeuge werden offenbar bereits die Software-Updates zur Auslieferung aufgespielt.

Dazu gab es diese Woche einen interessanten Bericht in der Kreiszeitung aus Niedersachsen. Allein an einem Standort in Rehden bei Vechta wird man 11.500 VW ID3 mit Updates versorgen. 120 Fahrzeuge können dort in einer großen Halle parallel mit Updates bespielt werden. Das erste große Update dauert ca. 7 Stunden. Anschließend bekommen die Fahrzeuge weitere Informationen vom Laptop. Die Kreiszeitung zeigt in ihrer Online-Ausgabe sogar ein Foto aus der Halle von aufgereihten ID3 die mit den Laptops verbunden sind.

Mehr dazu auch hier in der KreiszeitungAktuell wird der ID.3 neben Rehden im VW-Werk in Zwickau sowie in Emden geflasht. Offenbar gelingt es VW, mit dem ID.3 neue Kunden anzuziehen: Laut VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann haben etwa 85 Prozent der ID.3 Probooker, zuvor noch keinen VW gekauft. „Der ID.3 kommt bei Leuten gut an, die etwa zehn Jahre jünger sind als das durchschnittliche Alter unserer Kunden, welches in Europa bei 58 Jahren liegt“, so Stackmann

 

Tesla als Starthelfer für etablierte Autobauer?

Wird Tesla zum Starthelfer etablierter Konzerne? Klar ist: Die Experten sind sich einig, dass Tesla in Sachen Software-Architektur einen Vorsprung um Jahre hat. Autopapst Dudenhöfer spricht von fünf Jahren, der Audi-Chef Duesmann gibt 2 Jahre zu, VW-Chef Diess will mit dem ID.3 die Aufholjagd auf Tesla starten.

Aber sind die deutschen Konzerne so aufgestellt, Software von Außen, also von Tesla, einzukaufen? Elon Musk regt erneut dazu an: “Tesla ist offen für die Lizenzierung von Software und die Lieferung von Antriebssträngen und Batterien. Wir versuchen nur, nachhaltige Energie zu beschleunigen, nicht Konkurrenten zu vernichten!”, twitterte der Tesla-Chef zuletzt.

Die Ansage ist nicht neu: 2014 hatte Tesla seine Patente offengelegt und Kooperationen angeboten. Auch beim Supercharger-Netz hat Tesla wiederholt erklärt, dass man es auch für andere Marken öffnen würde. Bisher allerdings nicht zu einer entsprechenden Vereinbarung mit anderen Autobauern gekommen.

Für VW stellt Teslas Angebot sicher keine valide Option dar. Mit dem MEB-Baukasten hat man ja bereits eine eigene Plattform, die man auch andere Hersteller lizenzieren möchte. So plant zum Beispiel Ford künftige Stromer auf der MEB-Plattform, um die Kosten für eine eigene Entwicklung zu sparen. “Tesla inside” – das war der Slogan, mit dem Mercedes-Entwicklungsvorstand Thomas Weber 2013 stolz die elektrische B-Klasse auf der IAA  präsentierte – in Zeiten, als es noch schick war, mit dem kleinen Tesla zu kooperieren.

Ein Comeback dieser Zulieferer-Beziehung ist aufgrund der Größe des Konzerns allerdings schwer vorstellbar. Wer könnte stattdessen zuschlagen? Fiat-Chrysler womöglich? Immerhin kauft man schon seit einer Weile CO2-Zertifikate von Tesla. Von den deutschen Herstellern könnte das Angebot für BMW am attraktivsten sein. BMW ist der kleinste deutsche Hersteller und relativ isoliert in Bezug auf Kooperationen mit anderen OEMs. Zum Konzern gehören nur 3 Marken: BMW, Mini und Rolls Royce.

Derzeit hält sich BMW alle Technologie-Optionen offen. Aber, wenn die Entwicklungs-Ressourcen im Unternehmen derart breit gestreut werden, wird es natürlich schwierig, eine marktführende Elektro-Plattform zu entwickeln. Auch wird es schwieriger die Entwicklungskosten zu amortisieren, wenn parallel andere Fahrzeuge um die Gunst der Käufer buhlen. BMW hätte also mutmaßlich den größten Nutzen, wenn sie keine eigene Plattform entwickeln, sondern die von Tesla oder eines anderen Herstellers einsetzen.

Aber das würde schwer am Selbstverständnis und Image nagen und eine Entscheidung, die wohl überlegt sein will. 

Weitere Elektroauto-News der Woche:

  • Der erste Polestar 2 ist mittlerweile an Kunden ausgeliefert worden: Früher als geplant. Am Hauptsitz in Göteborg wurde jetzt das erste europäische Kundenfahrzeug übergeben. Bereits nächste Woche sind die ersten Kunden in Norwegen dran und ebenfalls im August soll Deutschland folgen.
    Wir gehen davon aus, dass auch nextmove zeitnah den ersten Polestar 2 einflotten wird.
  • “Giga Berlin wird in einer unmöglich erscheinenden Geschwindigkeit gebaut werden. Die Fertigteilbauweise in Deutschland ist äußerst beeindruckend.” Wir zeigen in den nextnews #115 exklusive Bilder vom Baufortschritt aus Grünheide.
  • Beim Corsa-e gibt es neue Informationen zu Lieferzeit und Preisen: Das Unternehmen spricht von “kurzfristiger Lieferfähigkeit. Aber: Wer heute bestellt, bekommt seinen Corsa erst 2021. Einzelne Ausnahmen sind natürlich möglich, aber unsere Elektroauto-Ampel geht komplett auf ROT. Auch preislich soll es zum 1.8. Änderungen geben: Die Listenpreise für das Modelljahr 21 werden voraussichtlich leicht angehoben. Wer also gerade überlegt, einen Corsa-e zu bestellen oder vielleicht schon ein Angebot vorliegen hat, sollte aus unserer Sicht sofort aktiv werden – wenn es denn ein Corsa-e sein soll.

nextnews 115 Themenübersicht:

00:00 Intro
00:40 ID3 Software-News und Probefahrten für alle
03:20 Tesla Starthilfe für andere Hersteller
07:01 Gigafactory Update
09:53 Polestar beginnt mit Auslieferungen
10:30 Erlkönig-Schau & Ladepeak-Ranking
14:12 Neues vom E-Auto-Markt, Faktencheck & Kauftipps
17:50 Neues von nextmove