Drei Hyundai IONIQ 5 Varianten im großen Vergleich: Verbrauch, Reichweite & Aufladen

Der neue Hyundai Ioniq 5 kommt in gleich vier Varianten daher, die sich in puncto Akkukapazität und Leistung deutlich voneinander unterscheiden. Welches Modell hinsichtlich Verbrauch und Reichweite am meisten überzeugt und wie der Kia e-Niro im Vergleich abschneidet, erläutern wir in diesem Artikel.
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Der Ioniq 5 basiert auf einer brandneuen Plattform und glänzt mit modernen Funktionen wie dem 800-Volt-Akkusystem und bidirektionalem Laden. Wer diese Funktionen auch in der Praxis erleben will, kann den Ioniq 5 jetzt bei nextmove mieten. Doch bei der Akkukapazität und dem Antrieb lässt der Hersteller dem Käufer die Qual der Wahl. Wer den Ioniq 5 im Alltag fahren will, muss sich also entscheiden: Kleiner Akku (58 kWh) oder großer Akku (72 kWh), dazu Hinterradantrieb (RWD) oder doch den mächtigeren, aber verbrauchsstärkeren Allradantrieb (AWD)?

Die Modelle und Testfahrten

In unserem Praxistest haben wir den Ioniq 5 mit RWD 58 kWh, RWD 72 kWh und AWD 72 kWh getestet und zusätzlich den Kia e-Niro (nahezu baugleich mit Hyundai Kona) als vierten Testkandidaten zu Vergleichszwecken hinzugezogen. Der Ioniq 5 ist zwar nur begrenzt mit dem Kona vergleichbar, weil er teurer, stärker und größer ist, aber als konzerninterner Benchmark eignet sich das Fahrzeug dennoch.

Ioniq 5 - 3 Modelle, technische Daten

Unser Test sah vor, einen 94 km langen Autobahn-Rundkurs um Leipzig zu fahren und zwar einmal mit 100 km/h und einmal mit 130 km/h. Da sich im realen Einsatz Geschwindigkeiten aber nicht exakt einhalten lassen, betragen die realen Geschwindigkeiten laut GPS-Tracking 94 km/h und 114 km/h. Los geht es mit der langsameren Fahrt mit 100 km/h als Richtwert. Angemerkt sei zudem, dass an der AWD-Variante des Ioniq 5 die größeren, sprich ineffizienteren Felgen mit 20 Zoll montiert sind.

Verbrauch und Reichweite bei 100 km/h

Die im ersten Test ermittelten Verbräuche dürften wohl niemanden überraschen und bescheinigen dem e-Niro die höchste Effizienz mit rund 14 kWh / 100 km. Danach folgen der Ioniq 5 RWD mit dem kleinen sowie dem großen Akku und zuletzt das Allradmodell mit großem Akku. Zwischen dem langsamsten und schnellsten Ioniq 5 liegt ein Unterschied von 12,5 Prozent beim Verbrauch.

3 Ioniq 5 - Verbrauch-100-und-130

Entsprechend den Verbräuchen fallen auch die Reichweiten aus. Sieht man vom e-Niro mit respektablen 450 km einmal ab, ergeben sich die Werte 371 km, 436 km und 416 km. Der Ioniq 5 mit großem Akku und Allradantrieb verliert also genau 20 km Reichweite gegenüber dem selben Modell mit Hinterradantrieb und weniger Leistung. Der kleinere Akku macht da schon mehr aus und sorgt für eine Differenz von 65 km.

3 Ioniq 5 - WLTP-Abweichung

Insgesamt kommen alle Fahrzeuge relativ nah an die WLTP-Reichweiten heran. Bis hierher war es aber auch noch relativ einfach, denn mit 94 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit waren wir äußerst gemütlich unterwegs. Außerdem haben auch die Wetterbedingungen gepasst. Um die WLTP-Reichweiten erreichen zu können, ist in der Regel warmes Wetter (von April bis Oktober) und eine zurückhaltende Fahrweise mit maximal Landstraßentempo notwendig. Letzteres bedeutet, dass Stadt- oder Landstraßen bevorzugt sind und Autobahnen, wie eben im Test, weitgehend mit maximal 100km/h befahren werden.

Verbrauch und Reichweite bei 130 km/h

So einfach machen wir es unseren Testkandidaten aber nicht. Im zweiten Durchlauf haben wir uns an der Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen orientiert. Die reale Durchschnittsgeschwindigkeit betrug entsprechend 114 km/h, womit wir 20 km/h und 21 Prozent schneller unterwegs waren als im ersten Durchlauf. Welche Auswirkungen das auf den Verbrauch hat, zeigen die Diagramme eindrucksvoll.

3 Ioniq 5 - Reichweite-100-und-130

Die SUV-ähnliche Bauform und der nicht ganz so niedrige Luftwiderstandsbeiwert fordern klar ihren Preis. Um 21 Prozent schneller voranzukommen, verbraucht der Ioniq 5 in allen Varianten rund 35 Prozent mehr Strom. Jetzt werden auch signifikante Unterschiede zur WLTP-Reichweite in der Größenordnung von 30 Prozent sichtbar.

Ladegeschwindigkeit

In der Langstrecke spielt nicht nur der Verbrauch, sondern auch die Ladegeschwindigkeit eine Rolle. Dort gilt: Wenn ein Elektroauto schnell lädt, dann ist die Zeitersparnis auf der Strecke durch schnelleres Fahren trotz des höheren Verbrauchs größer. Der Ioniq 5 kann dank seines 800-Volt-Ladesystems vergleichsweise hohe Laderraten erzielen, speziell mit dem großen Akku. Wir haben uns daher nach den beiden Testfahrten entschieden, die Akkus so weit es geht leer zu fahren und dann alle drei Ioniq 5 zum Schnellladen an der Ionity-Station anzuschließen. Dabei kamen wir auf folgende Ladezeiten (inklusive Zeit für die Authentifizierung zu Beginn des Ladevorgangs):

  • Ioniq 5 RWD 58 kWh: Von 2 auf 80 % in 20:05 Minuten (ca. 180 kW Peak)
  • Ioniq 5 RWD 72 kWh: Von 20 auf 80 % in 16:25 Minuten (ca. 220 kW Peak)
  • Ioniq 5 AWD 58 kWh: Von 17 auf 80 % in 16:20 Minuten (ca. 220 kW Peak)

Aus diesen Zeiten lässt sich ableiten, dass sich in einer Viertelstunde grob 60 Prozent der Akkukapazität nachladen lässt. Mit den zuvor ermittelten Verbrauchswerten lassen sich in diesen 15 Minuten so etwa 200 km bis 250 km Reichweite bei den beiden Modellen mit dem großen Akku nachladen. Beim Ioniq 5 mit dem kleinen Akku sind es rund 170 km bis 220 km.

Fazit

Welches Modell unter den Ioniq 5 ist nun das beste? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Vielmehr soll der Artikel die Fakten zusammentragen, damit Interessenten selbst entscheiden können, welches Modell am besten zu ihnen passt. Am Ende ist es vor allem eine Frage darüber, wie viel Leistung und Langstreckentauglichkeit man sich von einem Elekto-SUV wie dem Ioniq 5 erhofft und inwieweit man bereit ist, die damit verbundenen Aufpreise zu zahlen.

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