Astongate, November-Zulassungen, ID.4-Start Deutschland – nextnews #132

Astongate nextnews #132

ASTONGATE ist das Titelthema unserer nextnews. Wir werfen einen Blick in den schmutzigen Maschinenraum der Verbrennerlobby, in dem nicht mehr alles läuft wie geschmiert. Es wurde mal wieder eine neue Studie zum Thema Elektroautos veröffentlicht. Viele große Medien griffen darauf zu. Tenor: Ein Elektroauto schleppt 78.000 Kilometer lang einen CO2-Rucksack mit sich herum, und ist erst dann dem Verbrenner gegenüber überlegen. Doch Achtung: Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass die Studie direkt von Aston Martin und vermutlich auch Bosch geschrieben wurde – versteckt über die Kommunikationsagentur der Frau des Cheflobbyisten von Aston Martin. Echte Experten haben auf Astongate mittlerweile reagiert, und kommen zu ganz anderen Ergebnissen. Während in Großbritannien Astongate Schlagzeilen füllt, herrscht in deutschen Medien lautes Schweigen.

Astongate: Medien fallen auf fehlerhafte Studie herein

Aufgedeckt wurde der Skandal von Michael Liebreich, dem Gründer von Bloomberg New Energy Finance. Auke Hoekstra, von der Universität Eindhoven, veröffentlichte kurz nach Erscheinen der Studie eine Stellungnahme und zeigt die Stellschrauben auf, an denen gedreht wurde, um das Elektroauto schlecht zu rechnen. Hoekstra ist übrigens einer der führenden Experten für Lebenszyklus-Emissionen von Fahrzeugen mit unterschiedlichen Antriebsarten: also Elektro, Diesel, Benzin, eFuels und Wasserstoff.

Hier seine Abrechnung:

  • Der Bericht verwendete WLTP-Normverbräuche, die bekanntermaßen nichts mit dem Realverbrauch zu tun haben. Beim Verbrenner fällt das stärker ins Gewicht, weil die gleiche prozentuale Abweichung in absoluten Zahlen mehr CO2 bedeutet.
  • Während die CO2-Emissionen der Batterieherstellung berücksichtigt werden, werden die vorgelagerten Emissionen bei der Kraftstoffherstellung ausgeblendet – Benzin kommt also CO2-arm aus der Zapfsäule.
  • Zukünftige Verbesserungen im britischen Strommix werden nicht angenommen. Das ist natürlich abwegig – genau wie in jedem anderen Land der Welt steigt der Anteil von Wind und Solarenergie in Zukunft weiter an.
  • Weiter identifizierte er diverse Ungereimtheiten bei den CO2-Zahlen für den Rest des Autos – also alles was nicht dem Antriebsstrang zuzuordnen ist.

Laut diesen Berechnungen schneidet das Elektroauto also nicht erst nach 78.000 Kilometern besser ab, sondern nach gut 2 Jahren – ein Wert, der sich mit vielen anderen, seriösen Studien deckt.

Seitdem Astongate nun international breiter diskutiert wird, hat bei Aston Martin offenbar ein Nachdenken stattgefunden, es gibt so etwas wie eine Entschuldigung:

Aston Martin Entschuldigung

Auffällig ist, dass deutsche Medien den Fall ASTONGATE und insbesondere die Rolle von Bosch bisher komplett ignorieren. Das laute Schweigen wirft Fragen auf, denn die Story ist eigentlich gut. Einer der ältesten und renommiertesten deutschen Konzerne lässt über eine Schattenfirma Studien verbreiten, um die öffentliche Meinung zur Elektromobilität zu manipulieren. Auf Anfrage des Guardian sagte eine Bosch-Sprecherin sinngemäß: Das Unternehmen unterstützt den Bericht, der auf unabhängigen, referenzierten Daten beruht voll und ganz und fordert zu mehr Transparenz bei der CO2-Bilanz von Fahrzeugen auf.

November-Zulassungen: Erstmals 10 Prozent E-Autos

Jeder zehnte Neuwagen in Deutschland war im November ein Elektroauto. Insgesamt wurden 28.965 voll elektrische Autos zugelassen – nochmal 25 Prozent mehr als im Oktober. Im November alleine wurden damit fast so viele E-Autos zugelassen, wie im gesamten Jahr 2018. Im Vergleich zu November 2019 ist das ein Plus von 523 Prozent, während Benziner um 32 Prozent und Diesel um 25 Prozent zurückgehen.

Im Dezember erwarten wir nun einen starken Jahresendspurt, weil Volkswagen weiterhin um die Flottenemissionen kämpft, weil mehrere Tesla-Schiffe zur Quartals-Endrallye unterwegs sind, und weil die auslaufende Mehrwertsteuersenkung letztmalig genutzt werden kann.

ID.4 startet in Deutschland

10 Wochen nach der Weltpremiere des ID.4, startet das vollelektrische SUV, das zu Volkswagens Weltauto werden soll, endlich durch. Hier gibt es Einblicke in die Produktion in Zwickau:

Aus verlässlicher Quelle haben wir erfahren, dass VW im Dezember über 4.000 ausliefern und auch zulassen will, damit sie noch auf dem CO2-Guthabenkonto landen. Die Niederlande und Deutschland machen den Anfang. Der ID.4 könnte sich also vom Start weg eine Top-Platzierung sichern und ist in unserer Marktprognose für Dezember berücksichtigt.

Die meisten Fahrzeuge sind für die Erstausstattung der Händler eingeplant, aber auch erste Kunden sollen bedient werden. Wir hoffen, dass auch ein paar für nextmove dabei sind, die wir dann natürlich sofort für euren persönlichen Test zur Verfügung stellen. Ausgeliefert werden zunächst die beiden Varianten der First Edition, also 1st und 1st Max, beide mit Heckantrieb und knapp 500 Kilometer Normreichweite.

nextnews #132 Themenübersicht:

00:00 Intro

01:07 Astongate – aus dem Maschinenraum der fossilen Lobby

08:01 Zulassungs-Rekord im November

09:26 Elon Musk und Atomkraft

11:04 Tesla Model 3 Akku-Lotterie

12:35 Bafa-Falle: Es geht um 1.000€ für alle Model 3 Käufer

14:05 Get Charge gibt auf – Zeit für einen Nachruf

16:55 Wohin steuert VW?

19:37 ID.4 Auslieferungen starten im Dezember

20:40 Erlkönig-Schau

23:09 Neues vom E-Auto-Markt, Faktencheck und Kauftipps

24:15 Neues von nextmove

1 - Stromschlag am Elektroauto Titelbild

Nicht anfassen! Nextmove deckt Stromschlag-Risiko bei Elektroautos auf

Unter bestimmten Umständen können Elektroautos beim Laden unter Spannung stehen und Menschen gefährliche Stromschläge zufügen. Warum die derzeitigen Schutzmaßnahmen der Hersteller völlig unzureichend sind und wie sich Fahrer von E-Autos selbst schützen können, erfahrt ihr in diesem Artikel.

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